Claus-Gatterer-Auszeichnung 2026 an Jürgen Klatzer und Matthias Winterer

Die beiden Journalisten werden für ihren Beitrag „Körperliche Gewalt war gang und gäbe“ über strukturelle Gewalt und Machtmissbrauch bei SOS Kinderdorf ausgezeichnet.

Die im Falter veröffentlichte investigative Recherche von Jürgen Klatzer und Matthias Winterer steht exemplarisch für einen Journalismus im Sinne Claus Gatterers: präzise, mutig und den Schwächsten der Gesellschaft verpflichtet. Mit ihrer außergewöhnlichen Leistung machten die beiden Journalisten psychische, physische und sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in staatlicher Fürsorge sichtbar und setzten politische und institutionelle Aufarbeitungsprozesse in Gang. Vor allem aber gaben sie den Opfern, die zu lange ungehört geblieben waren, endlich eine Stimme. Damit erfüllt diese Arbeit in eindrucksvoller Weise das journalistische Leitmotiv von Claus Gatterer: “Im Zweifel auf Seiten der Schwachen”.

Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung ist dem Südtiroler Journalisten, Historiker, Schriftsteller und Dokumentarfilmer Claus Gatterer gewidmet. Sie wird seit 2021 vom Presseclub Concordia und der Michael Gaismair Gesellschaft Bozen verliehen, von der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol gestiftet und von der Gemeinde Sexten unterstützt. Die Jurymitglieder 2026 waren Kurt Langbein (Jurysprecher), Christoph Franceschini, Thomas Hanifle, Nina Horaczek, Franz Kössler, Sahel Zarinfard, und die Vorjahrespreisträgerin Julia Herrnböck.

Die Gatterer-Auszeichnung wird am 3. Juni 2026 gemeinsam mit dem CLAUS-Schülerpreis in Claus Gatterers Heimatgemeinde Sexten verliehen.

Link zum ausgezeichneten Beitrag

SHORTLIST – Gatterer-Auszeichnung 2026

Neben dem Siegerbeitrag waren auf der Jury-Shortlist (in alphabetischer Reihenfolge):

Nikolai Atefi & Benjamin Breitegger: Suchtgeschäft. Illegale Online-Casinos (Ö1 Hörbilder)
„Unser Protagonist kämpft seit Jahren – mit sich und gegen eine scheinbar übermächtige Onlineindustrie. Durch investigative Recherchen konnten wir aufdecken, wer hinter zahlreichen illegalen Casinos steht und wie Hintermänner bewusst Gesetze umgehen und Spielsüchtige ausnutzen. (…) Besonders war der Aufwand, mit der dieses Radiofeature entstand: eineinhalb Jahre Arbeit, die Auswertung eines Datenlecks mit 80.000 Dokumenten und drei Undercover-Recherchen“

Beate Haselmayer: Pfandsammeln. Wenn jeder Cent zählt (ORF Am Schauplatz)
„Seit Anfang des Jahres prägen sie das Bild vieler österreichischer Städte: Menschen, die im Müll nach verwertbarem Leergut suchen. „Wer sind diese Menschen?“ habe ich mich oft gefragt. (…) „Pfandsammeln“ ist eine klassische Sozialreportage: Menschen, an denen die meisten von uns vorbeigehen, bekommen eine Stimme. Sie erzählen, was sie beim Durchsuchen der Mistkübel erleben und warum jeder Cent für sie zählt.“

Lisa Hintner & Michael Schweigkofler: Entgleist. Die Vinschgerbahn R-108 (Rai Südtirol)
„Es war uns als Filmemacher ein Anliegen, das größte Zugunglück in der Geschichte Südtirols, wenn nicht ganz Italiens, ganzheitlich kritisch hinterfragend aufzuarbeiten und den Leitragenden eine Stimme zu geben, darunter einem gehörlosen Zuginsassen, der das Erlebte durch Zeichnungen aufgearbeitet hat. (…) (Der Dokumentarfilm) analysiert erstmals die politischen, juristischen und menschlichen Verflechtungen einer Tragödie und macht ihre Tragweite sichtbar. Das Unglück zeigt, wie fragil das Gleichgewicht zwischen Technik, Natur und Mensch in einer sensiblen, alpinen Kulturlandschaft ist.“

La Marca Teseo: Wie ich Muslim werde (REPORTAGEN)
„Durch mehrmonatige Sprach- und Familienaufenthalte konnte ich den Iran zwischen 2017 und 2022 frei bereisen und kennenlernen, ein Privileg, das nur wenigen westlichen Journalisten zuteil wird. Seitdem pflege ich enge Kontakte zur iranischen Zivilgesellschaft. Das zentrale Anliegen meiner Berichterstattung ist es, angesichts systematischer Repression, Internetblockaden und ausländischer Interventionen, den Menschen vor Ort eine Stimme zu geben und Vorgänge innerhalb der iranischen Gesellschaft für eine nicht-iranische Leserschaft zu „übersetzen““