🪶 Österreich ist eine Boulevarddemokratie
9. Oktober 2026
„Österreich ist eine Boulevarddemokratie. Der Boulevardsektor sucht im europäischen Vergleich seinesgleichen und betreibt seit vielen Jahren in informeller Koalition mit politischen Akteuren redaktionellen Populismus, der den politischen Populismus verstärkt“, konstatierte der Politologe Fritz Plasser 2013 im profil-Interview. Wäre es noch zu beweisen gewesen, die letzten Monate hätten es bewiesen. Die Kampagnen der Boulevardmedien gegen den Vizekanzler waren unübersehbar, die Interessen liegen nahe: Bablers Pläne zur Reform der Medienförderung verlangen Transparenz, medienethische Selbstkontrolle und die Einhaltung von Qualitätsstandards als Fördervoraussetzung.
Man muss die politischen Ansichten von Politiker:innen nicht teilen, um Kampagnen gegen sie demokratieschädigend zu finden. Bemerkenswert ist deshalb, wie viele Medien der Themensetzung des Boulevards folgten und dabei die Rolle von Krone, Heute und OE24 bestenfalls in gelegentlichen Kommentaren thematisierten.
Die Branche muss sich also fragen lassen, warum sie die Mechanismen der Boulevarddemokratie so selten sichtbar macht. Denn ohne Verständnis der Medienpolitik ist Tagespolitik schwer einzuordnen. Das ist kein guter Dienst am Publikum. Journalismus, der Macht kontrollieren will, muss auch Medienmacht kontrollieren.
Was übrig bleibt? Weiter beschädigtes Vertrauen in Politik und Medien, eine beschädigte Öffentlichkeit. Und die Bestätigung, wie dringend notwendig eine Reform der Medienförderung ist.

