Concordia Preise 2018 an Recherchenetzwerk „Europe’s Far Right“, Christoph Zotter und Elfriede Hammerl

Am 29. April werden die Concordia Preise im Parlament in der Hofburg verliehen. Das internationale Recherchenetzwerk „Europe’s Far Right“ wird mit dem Preis in der Kategorie Pressefreiheit ausgezeichnet. Christoph Zotter gewinnt in der Kategorie Menschenrechte und Elfriede Hammerl wird für ihr Lebenswerk geehrt.

Journalisten aus sechs europäischen Ländern schlossen sich im vergangenen Jahr zu dem Netzwerk „Europe’s Far Right“ zusammen, um länderübergreifend über den Aufstieg und die Strategien der Rechtspopulisten zu berichten. Zu den Mitgliedern zählen unter anderem die Tageszeitung „Liberation“ aus Paris, die Wochenzeitung „Internazionale“ aus Rom, die Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ aus Warschau, die Wochenzeitung „Falter“ aus Wien und die Tageszeitung „taz“ aus Berlin. „Das Bündeln der Kräfte über Grenzen hinweg ist im Sinne des Concordia Preises für Pressefreiheit journalistisch und verlegerisch vorbildhaft“, erklärt die Jury. Mit der Auszeichnung des Recherchenetzwerks zeigt die Concordia ihre Solidarität im Kampf für Presse- und Meinungsfreiheit.

„Profil“- Redakteur Christoph Zotter erhält die Auszeichnung für eine Serie zum Thema Menschenrechtsverletzungen an der EU-Außengrenze. Ein zentrales Thema ist das Schicksal der sechsjährigen Afghanin Madina Hussiny, die bei einem versuchten Grenzübertritt ums Leben kam, die Auswirkungen auf ihre Familie und der Umgang der Behörden mit diesem Ereignis. Zotter fällt kein Urteil, sondern stellt die Betroffenheit der Menschen in den Mittelpunkt. Er schreibt gegen das Zudecken und Vergessen an. Seine Arbeit macht den Zusammenhang zwischen politischen Vorgaben und menschlicher Betroffenheit deutlich, am tragischsten, wenn es um Leben und Tod geht. Die Jury würdigt mit ihrer Auszeichnung die Professionalität, Konsequenz, Hartnäckigkeit und Empathie, mit der Christoph Zotter die Verletzbarkeit von Mensch und System in unsere Aufmerksamkeit rückt.

Die Autorin und Journalistin Elfriede Hammerl wird für ihr journalistisches und schriftstellerisches Wirken und ihren Einsatz für Gerechtigkeit ausgezeichnet. Ihre Arbeit als Kolumnistin sticht durch thematische Breite und differenzierte Darstellung komplexer gesellschaftlicher Sachverhalte hervor, ihre pointierten Analysen zeigen systematische Benachteiligungen auf, besonders von Frauen, und entlarven Vorurteile. Mit Witz, Ironie und stilistischer Brillanz kämpfe Elfriede gegen soziale Ungerechtigkeit und für die Emanzipation von veralteten Rollenbildern.

Ausführliche Begründung

Die Preisverleihung findet am 29. April um 17 Uhr im Großen Redoutensaal der Hofburg statt.

Bei Interesse an Teilnahme schreiben Sie an office@concordia.at

 

Die PreisträgerInnen

Christoph Zotter

 

© Walter Wobrazek

Elfriede Hammerl

 

©Inge Prader

Recherchenetzwerk „Europe’s Far Right“

 

 

 

Christoph Zotter arbeitet im Auslands-Ressort des Nachrichtenmagazins profil, wo er sich unter anderem mit Europa, Migration und investigativen Recherchen beschäftigt. Zuvor war er Redakteur bei der Neuen Zürcher Zeitung in Österreich (NZZ.at), Korrespondent der NZZ am Sonntag, leitender Redakteur des Monatsmagazins Datum und schrieb regelmäßig für Die Zeit. Christoph Zotter hat in Wien, Vancouver und Helsinki Journalismus studiert. Im vergangenen Jahr fuhr er mehrere Male an die EU-Außengrenze, um dort Berichten über Polizei-Übergriffe nachzugehen.

Elfriede Hammerl ist Autorin und Journalistin und lebt in Gumpoldskirchen bei Wien. Sie ist Kolumnistin bei “profil”, mit den Themenschwerpunkten Frauen- und Sozialpolitik. Hammerl hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, zuletzt die Erzählbände „Von Liebe und Einsamkeit“ und „Alte Geschichten“, die beide bei Kremayr & Scheriau erschienen.

Zu ihren bisherigen Auszeichnungen zählen der Publizistikpreis (1999) und der Frauenpreis (2002) der Stadt Wien, der Concordia Preis in der Kategorie Menschenrechte (2003), die Johanna Dohnal Anerkennung (2010) und der Kurt-Vorhofer-Preis (2011).

Fast überall in der EU sind Rechtspopulisten auf dem Vormarsch. Sie kämpfen gegen das liberale Europa und organisieren sich dabei zunehmend transnational. Wer Europas Rechte verstehen will, muss länderübergreifend recherchieren. Das gilt ganz besonders für die kommenden Monate: Im Mai 2019 wird ein neues EU-Parlament gewählt. Ein Schlüsselmoment für den politischen Kampf um Europa. Ein Europa, das die rechten Parteien lieber heute als morgen abschaffen würden. Ihre Agenda, Strategien und  Netzwerke dokumentiert der Rechercheverbund Europe’s Far Right. Mit dabei sind taz (Berlin), Libération (Paris), Falter (Wien), Gazeta Wyborcza (Warschau), HVG (Budapest), WOZ (Zürich) und Internazionale (Rom). Das Projekt beschäftigt sich nicht nur inhaltlich mit den Angriffen auf die Pressefreiheit, die in ganz Europa von den rechten Parteien ausgehen: Gegen diese Angriffe, von denen die mitarbeitenden JournalistInnen zum Teil selbst betroffen sind, setzt das Projekt länderübergreifende Zusammenarbeit und Solidarität und leistet so selbst einen Beitrag für Pressefreiheit in Europa.

Teilnehmende Medien und JournalistInnen

Falter (Österreich): Nina Horaczek, Chefreporterin

hvg (Ungarn): Márton Gergely, Redakteur für Politik

Libération (Frankreich): Johanna Luyssen, Deutschlandkorrespondentin; Tristan Berteloot, Redakteur

Gazeta Wyborcza (Polen): Katarzyna Brejwo, Reporterin

Internazionale (Italien): Annalisa Camilli, Redakteurin; Jacopo Zanchini, stellv. Chefredakteur

WOZ (Schweiz): Jan Jirat, Redakteur Anna Jikhareva, Reporterin

taz, die tageszeitung (Deutschland): Malene Gürgen, Redakteurin; Patricia Hecht, Redakteurin; Sabine am Orde, innenpolitische Korrespondentin; Christian Jakob, Reporter