Verleihung der Gatterer-Auszeichnung 2026 an Jürgen Klatzer und Matthias Winterer
Am Mittwoch, dem 3. Juni 2026 wurde in Claus Gatterers Heimatgemeinde Sexten zum sechsten Mal die Gatterer-Auzeichnung verliehen. Die beiden Journalisten Jürgen Klatzer und Matthias Winterer konnten die Jury mit ihren im Falter veröffentlichten Bericht „Körperliche Gewalt war gang und gäbe“ über strukturelle Gewalt und Machtmissbrauch bei SOS Kinderdorf überzeugen.
Die Recherche steht exemplarisch für einen Journalismus im Sinne Claus Gatterers: präzise, mutig und den Schwächsten der Gesellschaft verpflichtet. Mit ihrer außergewöhnlichen Leistung machten die beiden Journalisten psychische, physische und sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in staatlicher Fürsorge sichtbar und setzten politische und institutionelle Aufarbeitungsprozesse in Gang. Vor allem aber gaben sie den Opfern, die zu lange ungehört geblieben waren, endlich eine Stimme. Damit erfüllt diese Arbeit in eindrucksvoller Weise das journalistische Leitmotiv von Claus Gatterer: “Im Zweifel auf Seiten der Schwachen”.
Die Laudatio hielt Franz Kössler in Vertretung des Jurysprechers Kurt Langbein. Letzterer hatte, wie Kössler erwähnte, für Gatterers ORF-Magazin Teleobjektiv den Dokumentarfilm Problemkinder produziert, der sich ebenfalls mit struktureller Gewalt und Missbrauch in Fürsorgeseinrichtungen auseinandersetzte. Und wie es ein kurioser Zufall will, wurde Langbeins Film auf den Tag genau 45 Jahre vor der Veröffentlichung der in Sexten ausgezeichneten Falter-Recherche erstausgestrahlt.
Gatterer hatte sich damals, so Kössler, gegen politischen Widerstand mit „journalistischer, moralischer und sextner Beharrlichkeit“ für die Ausstrahlung des Films eingesetzt, denn „Schwachen eine Stimme zu geben war Claus Gatterer wichtiger als politische Zustimmung.“ Kössler lobte Klatzer und Winterer dafür, sich ihrem Thema mit der gebotenen Sensibiltität genähert zu haben, um Opfer und Informanten zu schützen und dass sie auch den Verantwortlichen gegenüber fair handelten.
Ressortdirektorin Manuela Defant, die den Kulturlandesrat Philipp Achammer bei der Veranstaltung vertrat, überreichte den Preisträgern die Auszeichnung und sagte: „Informationen zu recherchieren, sie zu hinterfragen, sie einzuordnen und dann der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist eine Aufgabe mit einer großen gesellschaftlichen Bedeutung und Verantwortung, gerade in der heutigen Informationsflut.“
Die Gatterer-Auszeichnung wurde wieder gemeinsam mit dem CLAUS Schülerpreis verliehen, an dem sich zwölf Oberschüler*innen aus Süd- und Osttirol beteiligt haben. Gewonnen hat Maria Erhads Reportage „Vergangenheit und Zukunft des Ladinischen“. Jurysprecherin Teresa Indjein nannte unter anderem die gute Strukturierung, das Engagement, die Auswahl der Protagonist*innen, die journalistische Sprache und das technische Handwerk als auschlaggebend.
Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung ist dem Südtiroler Journalisten, Historiker, Schriftsteller und Dokumentarfilmer Claus Gatterer gewidmet. Sie wird seit 2021 vom Presseclub Concordia und der Michael Gaismair Gesellschaft Bozen verliehen, von der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol gestiftet und von der Gemeinde Sexten unterstützt. Die Jurymitglieder 2026 waren Kurt Langbein (Jurysprecher), Christoph Franceschini, Thomas Hanifle, Nina Horaczek, Franz Kössler, Sahel Zarinfard, und die Vorjahrespreisträgerin Julia Herrnböck.

