PRESSECLUB CONCORDIA

Vortrag und Diskussion
Februar 2013

Pulitzerpreisträger David Barstow über investigativen Journalismus: "Meine stärkste Waffe ist meine moralische Integrität"




Pulitzerpreisträger David Barstow über investigativen Journalismus:
"Meine stärkste Waffe ist meine moralische Integrität"

Wien (OTS) - "Investigativer Journalismus ist ein risikoreiches aber lohnendes Unterfangen", so beschrieb der zweifache Pulitzerpreisträger David Barstow seine Arbeit. Der New York Times-Journalist war auf Einladung des Österreichischen Presserates und des Presseclub Concordia zur Veranstaltung "Über Watchdogs und Spürhunde im Journalismus" in Wien. Zuletzt hatte Barstow aufgedeckt, dass der US-Konzern Wal-Mart nur durch Schmiergeldzahlungen in Milliardenhöhe sein dichtes Netz an Geschäftsfilialen in Mexiko aufbauen konnte.

Aufdeckungsjournalisten versuchen Fakten ans Licht zubringen, die andere gerne geheim halten würden. Dadurch können sowohl der Journalist selbst als auch das Medium in einen scharfen und anhaltenden Konflikt mit den Mächtigen geraten. Aber, betonte David Barstow, auch seine Informanten gehen ein hohes Risiko ein - "diejenigen, die mir etwas zutragen, riskieren mitunter ihren Job."-"Mir liegt nur eine Sache wirklich am Herzen: Fakten wahrheitsgetreu zu veröffentlichen", sagte Barstow. Dieser Ansatz helfe auch, das Vertrauen der Informanten zu gewinnen.
Die Arbeit eines Aufdeckers sei allerdings bei weitem nicht so abenteuerlich, wie viele vermuten: Es gehe auch darum, hunderte Seiten Aktenmaterial durchzuarbeiten, den Wahrheitsgehalt von Informationen zu überprüfen und dem Erwartungsdruck von Medieneigentümern sowie der Kollegen standzuhalten. "Ich glaube fest daran, meine stärkste Waffe ist meine moralische Integrität, die daher rührt, dass ich auf neutrale und seriöse Weise nach der Wahrheit suche."

Journalisten sind keine Staatsanwälte

Die beiden österreichischen Aufdeckungsjournalisten Renate Graber von "Der Standard" und Kurt Kuch von NEWS pflichteten ihrem amerikanischen Kollegen bei: Es gehe darum Fakten aufzudecken und über Missstände zu berichten; Konsequenzen daraus zu ziehen, sei nicht ihre Aufgabe. "Journalisten sind keine Staatsanwälte und keine Polizisten", stellte Renate Graber klar. Den Medien komme in unserer Demokratie eine wichtige Kontrollfunktion zu, betonte Kommunikationswissenschafter Matthias Karmasin. "Diese Rolle der Medien als vierte Gewalt im Staat gehört in Österreich gestärkt!" In den USA sei die Meinungs- und Pressefreiheit viel höher bewertet. Bei uns werde sofort die "Klagsmaschine" angeworfen; direkt die Journalisten zu klagen sei in Österreich üblich geworden.
Ein weiterer wesentlicher Unterschied zu den USA ist laut Kurt Kuch, dass bei uns ein umfassendes Informationsfreiheitsgesetz fehlt. Alle Diskutanten unterstützen seinen Vorschlag für ein neues Transparenzgesetz, das das Amtsgeheimnis einschränkt und Akteneinsicht ermöglicht. Dies würde nicht zuletzt den investigativen Journalismus in Österreich stärken.




David Barstow
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Diskussion mit David Bastow
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