PRESSECLUB CONCORDIA

CONCORDIA
22.6.2011

Sollen JournalistInnen geehrt werden?

Ilse Brandner-Radinger erhielt das große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich

Sollen Journalisten überhaupt geehrt werden? Auf der Skala der Bewertung der Berufe rangieren sie, wie wir wissen, in Österreich ja ganz unten – in Befragungen wird Journalisten ein schlechtes Image ausgestellt, sie werden auf der Vertrauensskala gemeinsam mit Politikern, Versicherungsmaklern und Autoverkäufern auf die Schlussplätze verwiesen; das ist nicht verwunderlich, könnte man meinen, angesichts der zahlreichen Leserschaft gerade jener Medien, die nicht zu den Qualitätsmedien zählen. Doch diese Facette ist natürlich nicht die einzige. So einfach darf man es sich nicht machen.

Was uns Journalisten aber dennoch schmerzt ist die Erfahrung, dass Medien-Qualität keine Garantie für ökonomischen Erfolg bietet. Das ist umso schmerzlicher, weil journalistische Qualität ohne ökonomischen Rückhalt auf Dauer nicht möglich ist. Qualitätsjournalismus kostet Geld. Das beginnt bei der für Recherchen zur Verfügung stehenden Zeit, den Arbeitsbedingungen, die produktives und qualitatives Arbeiten erst ermöglichen und reicht über viele Details des Arbeitsablaufes bis hin zu den Korrespondenten, die man sich vor Ort des Geschehens leistet. (...)

Um zur eingangs gestellten Frage zurückzukehren: Dürfen Journalisten geehrt werden? Meine klare Antwort, jetzt abgesehen von dem persönlichen Ereignis, ist ja.
Vor allem in einer Zeit, da engagierte Journalistinnen und Journalisten oft unter schwierigen ökonomischen und arbeitsrechtlichen Verhältnissen täglich den Beweis antreten, dass Journalismus auch ein Beruf mit Moral sein kann.
Folglich hat der Presseclub Concordia bei der jährlichen Vergabe der Concordia-Preise stets sorgfältig darauf geachtet, dass neben der selbstverständlichen Gender-Entsprechung auch immer jungen und noch nicht so prominenten Journalistinnen und Journalisten durch den Concordia-Preis Mut gemacht wird. Und das mit Erfolg: Viele der jungen Ausgezeichneten haben weitere Preise bekommen und gezeigt, dass journalistische Moral Voraussetzung für journalistische Qualität ist.

Wenn die Ehrung von Journalisten mit keiner Abhängigkeit oder versuchter Einflussnahme verbunden ist, dann setzt sie nicht nur Zeichen – für Medien und deren Redaktionen – sondern wird auch von den Betroffenen als Bestätigung dafür empfunden, dass das, was sie versucht haben, gut zu machen, vielleicht doch nicht ganz so schlecht war.

Ruf nach einem europäischen Presserat
Wiener Zeitung Online
© Andy Wenzel
© Andy Wenzel