PRESSECLUB CONCORDIA

CONCORDIA
10. Juni 2011

Vorverurteilende Berichterstattung



Werte KollegInnen, werte Mitglieder!

Der Presseclub Concordia hat die Kolleginnen und Kollegen der beiden Boulevard-Medien “Kronenzeitung” und “Heute” darauf aufmerksam gemacht, dass ihre Berichterstattung im Falle der Leichenfunde im Keller eines Wiener Eissalons einer Vorverurteilung der Eissalonbesitzerin gleichkommt. Eine Person als “Eis-Killerin” oder “Todeshexe” zu bezeichnen widerspricht eindeutig der im Medienrecht geforderten Unschuldsvermutung. Zur Erinnerung der Gesetzestext: § 7b des österreichischen Medienrechts:

(1) Wird in einem Medium eine Person, die einer gerichtlich strafbaren Handlung verdächtig, aber nicht rechtskräftig verurteilt ist, als überführt oder schuldig hingestellt oder als Täter dieser strafbaren Handlung und nicht bloß als tatverdächtig bezeichnet, so hat der Betroffene gegen den Medieninhaber Anspruch auf eine Entschädigung für die erlittene Kränkung. Der Entschädigungsbetrag darf 20 000 Euro nicht übersteigen; im übrigen ist § 6 Abs. 1 zweiter Satz anzuwenden.

Der Presseclub Concordia ersucht alle Kolleginnen und Kollegen, dies in Ihrer Berichterstattung zu berücksichtigen.

Mit kollegialen Grüßen
Astrid Zimmermann